Vor 75 Jahren starb Fridolin Bischof – Erinnerung an einen aufrechten Demokraten
Am 27. August 1951 starb Fridolin Bischof im Alter von nur 53 Jahren. Von 1925 bis 1933 wirkte der Lehrer, Sozialdemokrat und Kommunalpolitiker in Walldürn. Er setzte sich für die Demokratie und vor allem für sozial schwächere Menschen ein. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er verfolgt und aus Walldürn strafversetzt. Zum 75. Todestag erinnert der SPD-Ortsverein Walldürn-Höpfingen-Hardheim an einen aufrechten Demokraten, der in Walldürn Spuren hinterlassen hat.
Fridolin Bischof wurde am 10. Dezember 1897 in Hundheim geboren. 1913 trat er in das Großherzogliche Lehrerseminar in Ettlingen ein. Seine Ausbildung wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Bischof meldete sich zum Kriegsdienst und wurde in Flandern schwer an den Füßen verwundet. Anschließend setzte er seine Ausbildung fort und bestand 1917 die Prüfung zum Lehramtskandidaten.
Die Erfahrungen des Krieges prägten seine weitere Haltung. Der ehemalige Soldat und Kriegsversehrte entwickelte sich zum Pazifisten und überzeugten Demokraten.
Sozialdemokrat seit 1918
Bereits 1918 trat Fridolin Bischof in Überlingen der SPD bei. Nach beruflichen Stationen unter anderem in Mannheim und Külsheim bewarb er sich um eine freie Hauptlehrerstelle in Walldürn. 1925 wurde er an die Walldürner Volksschule versetzt.
Walldürn wurde zu seiner zweiten Heimat. Hier engagierte sich Bischof in der SPD und im Reichsbund und setzte sich insbesondere für sozial schwächere Menschen ein. 1927 wurde er in den Walldürner Gemeinderat gewählt und später zum Vizebürgermeister bestimmt.
Helfer der „armen, kleinen Leute“
Bischofs sozialdemokratische Überzeugung zeigte sich vor allem in seinem konkreten Handeln. Ehemalige Schüler erinnerten sich an ihn als Lehrer mit einem „feinen Wesen“, mit Natürlichkeit und Menschlichkeit. Seine Autorität habe er nicht durch Strenge, sondern durch seine Persönlichkeit gewonnen.
Auch außerhalb der Schule setzte sich Bischof für sozial schwächere Menschen ein. Im Reichsbund unterstützte er Kriegsopfer und Kriegerwitwen. Besonders verbunden war er mit den „armen, kleinen Leuten“ in der Schmalgasse, wo viele Steinhauer und Tagelöhner lebten. Bedürftige Familien unterstützte er finanziell und materiell – in Notzeiten half er beispielsweise mit Kohlen, damit Familien über den Winter kamen.
Pazifist und überzeugter Demokrat
Bischofs politische Haltung war auch von seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg geprägt. Er hatte selbst als Soldat gekämpft und schwere gesundheitliche Schäden davongetragen. Umso entschiedener wandte er sich später gegen Militarismus und aggressiven Nationalismus.
Die politischen Auseinandersetzungen wurden gegen Ende der Weimarer Republik auch in Walldürn immer schärfer. Bei einer Auseinandersetzung im Gemeinderat widersprach Bischof vehement der Vereinnahmung des Begriffs „Vaterland“ durch die Deutschnationalen. Es kam zu einem Tumult, in dessen Folge Bischof sein Gemeinderatsmandat niederlegte.
Seine demokratische Haltung gab er damit jedoch nicht auf. Als Gegner des erstarkenden Nationalsozialismus engagierte er sich in der Eisernen Front, einem Bündnis zur Verteidigung der Weimarer Republik gegen ihre antidemokratischen Gegner.
Verhaftet und aus Walldürn strafversetzt
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde aus der politischen Auseinandersetzung offene Verfolgung.
Fridolin Bischof gehörte zu den frühen Opfern. Bei einem Spaziergang mit seinen Kindern wurde er verhaftet und in sogenannte „Schutzhaft“ genommen.
Seine politische Haltung hatte nun auch berufliche und wirtschaftliche Folgen. Schließlich durfte er zwar wieder als Lehrer tätig sein – aber nicht mehr in Walldürn.
Bischof wurde nach Reicholzheim strafversetzt. Gemeinsam mit seiner Familie musste er Walldürn auf einem offenen Lastwagen verlassen.
Damit endeten acht Jahre, in denen Fridolin Bischof als Lehrer, Sozialdemokrat und Kommunalpolitiker das gesellschaftliche Leben Walldürns mitgeprägt hatte.
Auch nach 1945 seinen Überzeugungen treu
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur bekannte sich Bischof erneut zur Sozialdemokratie. Nach der Wiedergründung der SPD wurde er zum 1. Januar 1946 wieder Mitglied der Partei. Auch sein soziales Engagement setzte er fort, unter anderem in der Arbeiterwohlfahrt.
Eine bittere Erfahrung blieb ihm dennoch nicht erspart. Obwohl er selbst von den Nationalsozialisten verfolgt, verhaftet und strafversetzt worden war, geriet auch Bischof in die Mühlen der Entnazifizierung und wurde zunächst als „Minderbelasteter“ eingestuft.
Später wurde er erneut zum Beamten auf Lebenszeit ernannt. Nur etwa ein halbes Jahr danach starb Fridolin Bischof am 27. August 1951 im Alter von 53 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er in seinem Heimatort Hundheim.
Walldürn bewahrte die Erinnerung
Fridolin Bischof geriet in Walldürn nicht in Vergessenheit. Die Stadt Walldürn ehrte ihn mit der Benennung einer Straße im Neubaugebiet „Vorderer Wasen“. Die Fridolin-Bischof-Straße hält seinen Namen bis heute im Stadtbild lebendig.
Auch die Walldürner Sozialdemokratie bewahrte die Erinnerung an ihren früheren Stadtrat.
Anlässlich seines 100. Geburtstages veranstaltete der SPD-Ortsverein Walldürn im Dezember 1997 im Reil’schen Haus eine mehrtägige Ausstellung unter dem Titel „Fridolin Bischof – ein sozialer Demokrat“. Bilder und Dokumente erinnerten an verschiedene Stationen seines Lebens sowie an sein politisches und soziales Wirken.
„Ein solcher Lichtblick war Fridolin Bischof“
Die Ausstellung sollte schon damals mehr sein als die Würdigung eines früheren Sozialdemokraten. In seiner Begrüßung erklärte der damalige SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ralf Beyersdorfer, man wolle einen Bereich der Geschichte aufgreifen, über den nur wenig erzählt werde und über den auch in Heimatbüchern wenig zu lesen sei.
„Wir wollen mit dieser Ausstellung weder anklagen noch urteilen – keiner von uns weiß, wie er sich in dieser Zeit verhalten hätte. Wir wollen aber zeigen, welcher Weg war, der in die Dunkelheit führte, wir wollen warnen, damit wir aus der Geschichte lernen.“
Über Fridolin Bischof sagte Beyersdorfer:
„Und wir wollen zeigen, daß es selbst in diesem dunkelsten Kapitel Lichtblicke gab, ein solcher Lichtblick war Fridolin Bischof.“
Fast drei Jahrzehnte später knüpft der SPD-Ortsverein Walldürn-Höpfingen-Hardheim zum 75. Todestag an diese Erinnerungsarbeit an.
Sozialdemokrat, Pazifist und sozialer Helfer
Fridolin Bischofs Geschichte ist mehr als die Biografie eines früheren Walldürner Sozialdemokraten. Sie ist ein Stück Walldürner Sozial- und Demokratiegeschichte.
Als Sozialdemokrat setzte er sich für soziale Gerechtigkeit und die junge Demokratie ein. Als Pazifist und Demokrat stellte er sich Militarismus, Nationalismus und schließlich dem Nationalsozialismus entgegen. Als Lehrer blieb er seinen Schülern als Mensch mit „feinem Wesen“ in Erinnerung, der seine Autorität durch seine Persönlichkeit gewann. Und als Helfer der Armen stand er Kriegsopfern, Kriegerwitwen, Steinhauern, Tagelöhnern und bedürftigen Familien zur Seite.
Sein Leben zeigt damit sehr konkret, was soziale Demokratie bedeuten kann: politische Überzeugung mit persönlichem Handeln zu verbinden und gerade denjenigen zur Seite zu stehen, die Unterstützung benötigen.
75 Jahre nach seinem Tod erinnert die SPD Walldürn an Fridolin Bischof – Sozialdemokrat, Pazifist, sozialer Helfer und aufrechter Demokrat.