Die „Mannheimer Volksstimme“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 18. November 1918 über eine „Volksversammlung“, die in der Aula der Volksschule stattfand und in deren Anschluss die Gründung eines „Sozialdemokratischen Vereins“ beschlossen wurde.
„Walldürn, 18. Nov. Nunmehr hat die Sozialdemokratie auch hier in Walldürn ihren Einzug gehalten. Gestern fand eine von unserem Parteigenossen Englert einberufene Volksversammlung in der Aula des Schulhauses statt, die mehrere hundert Teilnehmer aufwies.
Unter stürmischer Zustimmung der Versammlung unterzog der als Redner erschienene Stadtrat Meier–Heidelberg die Sünden der bisherigen deutschen Herrenkaste einer vernichtenden Kritik. Nur die Revolution habe Deutschland vor dem völligen Untergang retten können.
Nunmehr gelte es die Errungenschaften der Revolution zu befestigen und Deutschlands Verfassung im demokratisch-sozialistischem Sinne auszubauen. Anschließend an das Referat wurde die Gründung eines Sozialdemokratischen Vereins beschlossen, dem sofort 63 Mitglieder beitraten. Ein Zeichen, dass nunmehr auch das Frankenland erwacht!“
Die Tatsache, dass lange das Jahr 1919 als Gründungsjahr des SPD-Ortsvereins Walldürn angenommen wurde, beruht auf einem Ereignis, das am 1. Mai 1919 auf der Walldürner „Heide“ stattfand.
Mit Parolen, wie „Nie wieder Krieg“ oder „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zog die Arbeiterschaft Walldürns mit großer Unterstützung auch von auswärts zu einer Maikundgebung auf die Walldürner „Heide“.
Ziel des Protestmarsches war ein Gedenkstein, der ursprünglich für den Badischen Prinzen, der in Walldürn an einem Militärmanöver teilgenommen hatte, aufgestellt wurde - heute erinnert er an den Heimatforscher Hans Eckstein.
Als Zeichen, dass eine neue Zeit angebrochen war und wohl auch als Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins der Arbeiterschaft wurde der Gedenkstein der Monarchie umfunktioniert, indem man die Worte „Maifeier 1919“ einmeißelte. Die Inschrift sollte später im Dritten Reich wieder entfernt werden.
Einer der damaligen Organisatoren war der Bahnbedienstete Julius Götz. Weitere Sozialdemokraten der ersten Stunde waren Josef Heilmann, Theodor Frei, Ferdinand Fieger, Anton Gerold und Josef Schell.
Bei den Wahlen der Gemeindeverordneten am 25. Mai 1919 traten die Sozialdemokraten als "Sozialdemokratischer Verein" ab.
Aus dem „Protokoll zur Wahl der Gemeindeverordneten, Bezirksräte und Kreisabgeordneten“ vom 25. Mai 1919 geht hervor, dass der „Sozialdemokratische Verein“ mit 24 Bewerbern bei dieser Wahl angetreten ist. Blickt man auf die Berufsbezeichnungen, so findet man Steinhauer, Arbeiter und Handwerker (Schlosser, Wagner und Maurer), die auf der Liste des Sozialdemokratischen Vereins kandidierten. Daneben finden sich ein Gastwirt, ein Schneidermeister und ein Kaufmann auf der Liste. Zu wählen waren 48 Gemeindeverordnete, von denen die SPD sieben Sitze erzielen konnte.
Gewählt wurden Eugen Berberich (Steinhauer), Heinrich Trunk (Bahnhofarbeiter), Theodor Frei (Arbeiter), Ludwig Wallmann (Gastwirt), Joseph Schell (Steinhauer), Karl Fach (Steinhauer), Albert Gaukel (Steinhauer), Ludwig Lenz (Schlosser) rückte für den ausgeschiedenen Ludwig Wallmann nach. Für den Bezirksrat in Buchen kandidierten die Walldürner Willy Gaukel (Kaufmann), Albert Gaukel (Steinmetz) und Wilhelm Schneider (Steinbruchbesitzer).
In ihren Anfangsjahren war die Walldürner Arbeiterschaft noch in zwei Gruppierungen gespalten. Die Gründungsmitglieder des Sozialdemokratischen Ortsvereins traten bei der Wahl zum Bürgerausschuss als „Vereinigte Arbeiterschaft“ an.
Bei der Wahl zum Bürgerausschuss im Jahr 1922 schlossen sich den Sozialdemokraten auch Nichtmitglieder der SPD an, so dass man bei der Wahl als „Vereinigte Arbeiterschaft“ antrat. Von den insgesamt 28 zu vergebenden Sitzen im Walldürner Bürgerausschuss erreichte die „Vereinigte Arbeiterschaft“ sechs Sitze. Neben der „Vereinigten Arbeiterschaft“ gab es eine zweite Liste, die politisch links von der SPD stand, die „Arbeiterpartei“, die sogar elf Sitze im Bürgerausschuss für sich gewann.
Weshalb es zwei Listen der Arbeiterbewegung gab kann heute nur noch vermutet werden. Aus älteren Unterlagen geht hervor, dass die „Spaltung der Walldürner Arbeiterbewegung – aus lokalen Gründen – auch noch 1926“ bestand.
Als die Stelle des Bürgermeisters in Walldürn ausgeschrieben wurde, bewarb sich Dr. Trautmann erstmals erfolgreich um das Amt, das er von 1925 bis 1929 innehaben sollte. Als Bürgermeister war er nicht nur Verwaltungschef, sondern auch Vorsitzender der damaligen Gemeindeparlamente des „Gemeinderates“ und dem „Bürgerausschusses“; doch der überzeugte Demokrat hatte nicht immer einen leichten Stand gegen nationalkonservative Kräfte, die nicht akzeptieren wollten, dass Arbeiter- und Soldatenräte mit der Revolution 1918 ihre „alte Ordnung“ gestürzt hatten.
Das Regieren der Wallfahrtsgemeinde wurde ihm häufig von der "grauen Eminenz" aus dem Pfarrhaus, dem Stadtpfarrer Dorbath sowie den nationalkonservativen Kräften erschwert.
Unterstützung hingegen fand er unter anderem bei dem ebenfalls 1925 nach Walldürn gezogenen Hauptlehrer Fridolin Bischof, der bekennender Sozialdemokrat war und den damals noch stark von der Arbeiterbewegung geprägten Ortsverein der SPD für bürgerliche Kräfte öffnete. Gemeinsam setzten sie sich für die Verbesserung der sozialen Lage der Arbeiterschaft und ihrer Familien ein.
Bereits in seiner ersten Amtszeit gelang es Arthur Trautmann, wichtige Akzente in Walldürn zu setzen. So nahm er als eine Maßnahme zur Verbesserung der Infrastruktur und Modernisierung der Verwaltung, den Umbau und Renovierung des alten Rathauses in Angriff, bei dem das historische Fachwerk wieder freigelegt wurde und das Rathaus sein heutiges Aussehen erhielt. Eine neue Rathausuhr samt Glocken (die alten Glocken wurden im 1. Weltkrieg beschlagnahmt) sowie repräsentative Rathausmöbel, die teilweise noch heute in Verwendung sind, wurden ebenfalls beschafft. Anlässlich der Einweihung des renovierten Rathauses feierte Walldürn 1927 den Heimattag mit großem historischem Festzug.
Weitere herausragende Erfolge der ersten Amtszeit von Arthur Trautmann waren der Unterrichtsbeginn an der Bezirkshandelsschule (kaufmännische Schule) im Jahr 1926 und die Grundsteinlegung der Jugendherberge 1929. Dennoch entschied sich Trautmann 1929 sich auf die Bürgermeisterstelle in Schwetzingen zu bewerben. Den Bürgermeistersessel der Residenzstadt musste er bereits 1933 auf Druck der neuen Machthaber des „Dritten Reiches“ verlassen.
Zwar war die Arbeiterbewegung in Walldürn immer noch gespalten, die Sozialdemokraten traten bei den Wahlen der Gemeindeverordneten am 14. November 1926 erstmals als „Sozialdemokratische Partei“ an.
Erstmals trat die SPD als Liste 1 „Sozialdemokratische Partei“ bei der Wahl der Gemeindeverordneten am 14. November 1926 an. Daneben gab es noch eine „Allgemeine Arbeiterliste“. Immer noch wurde die Liste von Arbeitern, Steinhauern, Holz- und Waldarbeitern sowie Bahnarbeitern geprägt. Mit dem jungen Hauptlehrer Fridolin Bischof öffnete sich die Arbeiterpartei bürgerlichen Kreisen.
Fridolin Bischof war schon vor seiner Versetzung nach Walldürn am 17. November 1918 in Überlingen in die SPD eingetreten, weil er sich für die Rechte der ärmeren Bevölkerung und der sozial benachteiligten einsetzen wollte. Ihm, so wird angenommen, ist es auch gelungen die bisher gespaltene Arbeitnehmerbewegung Walldürns zu einen.
Seit 1927 wurden von den einst getrennten Gruppen der Arbeiterbewegungen unter dem einigenden Dach der SPD nur noch einheitliche Listen zu Wahlen vorgeschlagen. Heinrich Trunk, der vor der Einigung auf der „Arbeiterliste“ kandidiert hatte, übernahm sogar von 1929 an das Amt des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden in Walldürn.
Mit Fridolin Bischof, Heinrich Trunk und Wilhelm Schneider stellte die SPD drei der elf Mitglieder des Gemeinderats, der damals noch nicht von der Bevölkerung direkt, sondern vom Bürgerausschuss gewählt wurde.
Auch über die Ortsgrenzen Walldürns hinaus engagierten sich Walldürner Sozialdemokraten politisch. So vertrat Josef Heilmann von 1939 bis 1933 die Interessen seiner Heimatstadt im Bezirksrat des Landkreises.
Mit der im Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise griffen auch wieder Arbeitslosigkeit und Armut um sich und fordernden von den Walldürner Sozialdemokraten mehr als nur kommunalpolitisches Engagement. Angesichts der um sich greifenden Not waren Fürsorgemaßnahmen für sozial schwache Mitglieder und Nahestehende geboten. Sozialdemokraten, wie Fridolin Bischof, bemühten sich um Unterstützung der notleitenden Bevölkerung.
In diese Zeit fällt auch die Gründung der Ortsgruppe des Reichsbundes (heute „Sozialverband Deutschland e.V.“), der zu den ältesten sozialpolitischen Verbänden Deutschlands zählt.

Die Gründung der Ortsgruppe des Reichsbundes in Walldürn war maßgeblich von Sozialdemokraten, wie Fridolin Bischof und Josef Heilmann betrieben worden. Josef Heilmann sollte sich über 50 Jahre im Reichsbund als Betreuer der Kriegsopfer und sozial benachteiligten engagieren und hierfür im Jahr 1973 zum Ehrenvorsitzenden ernannt werden.
Mit der sogenannten Machtergreifung, der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, wurde das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte aufgeschlagen. Auch Walldürn und die Walldürner SPD blieben von diesem Tiefpunkt der europäischen Geschichte nicht verschont.
Mit Hilfe des Ermächtigungsgesetzes vom 24. März 1933 und Notverordnungen wurde die Weimarer Republik und die Demokratie defacto abgeschafft.
Da man bereits nach dem Ermächtigungsgesetz voraussehen konnte, dass es nun massiv gegen die SPD gehen werde, hatte der Parteivorstand die gesamte Partei angewiesen, alle Unterlagen, Parteibücher und Mitgliederlisten zu vernichten, um die Mitglieder nicht zu gefährden. Wie wichtig und richtig diese Maßnahme war, zeigte sich bei den erfolgenden Hausdurchsuchungen durch die SA. Das bedeutet aber leider auch, dass wenig schriftliches und bildliches Material von vor 1933 erhalten blieb.
Schon bald wurde auch in Walldürn gegen die SPD vorgegangen. Eines der ersten Opfer willkürlicher Verhaftungen sollte der Stadtrat Fridolin Bischof sein.
Sehr eindrücklich beschreibt sein Sohn Heinz Bischof, wie er es als Kind miterlebt hat, als sein Vater im März 1933 verhaftet wurde. Die Familie war auf ihrem sonntäglichen Spaziergang auf der Walldürner Heide. Um seinem Buben ein paar Stöcke schneiden zu können trug Fridolin Bischof ein kleines Küchenmesser bei sich. Auf der Höhe des Steinbruchs der Firma Schneider erschienen hinter der Familie zwei Männer in dunklen Regenmänteln. "Sie fragen Vater, ob er der Lehrer Bischof wäre. Dann nahmen sie ihn in die Mitte und führten ihn von uns, seinen Kindern, weg". Fridolin Bischof wurde zuerst in die Wachstube im Walldürner Rathaus verbracht und später in das Gefängnis in Buchen eingeliefert. Dort war er in "Schutzhaft" eingesperrt, bis er im August in Rahmen einer Amnestie entlassen wurde.
Die beiden Gemeindeverordneten der SPD Franz Gaukel und Wilhelm Kaufmann wurden am 24. Juni 1933 aus dem Gremium ausgeschlossen und mussten ihre Mandate niederlegen. Die entsprechenden Verfügungen wurden den Sozialdemokraten am 1. Juli 1933 per „Zustellungsurkunde des Gemeindedieners“ persönlich zugestellt:
„Der Herr Minister des Inneren hat verfügt, dass sämtliche Mitglieder der kommunistischen oder sozialdemokratischen Partei von der weiteren Ausübung ihrer Mandate im Bürgerausschuß und Gemeinderat ausgeschlossen sind. Nach den Gleichschaltungsbestimmungen gehörten Sie bisher der sozialdemokratischen Partei und somit dem Bürgerausschuß an. Mit Wirkung vom 24. Juni 1933 ist Ihre Tätigkeit im Bürgerausschuß beendet und haben Sie sich infolgedessen jeder Tätigkeit zu enthalten.“
Am selben Tag, dem 31. Juli 1933, erklärten die Stadträte und Ersatzkandidaten der „Deutschen Zentrumspartei“ geschlossen ihren Verzicht auf ihr Mandat. Damit war der Weg für die Schergen der NSDAP frei.
Nachdem das „Dritte Reich“ mit der Kapitulation beendet wurde, nach Jahren der Verfolgung und Unterdrückung, stellten sich Sozialdemokraten wieder zur Verfügung, um am Wiederaufbau des Landes und einer demokratischen Gesellschaft aktiv mitzuwirken.
Es war Josef Heilmann, der die alten Genossinnen und Genossen wieder zusammenrief, um gemeinsam mit ihnen den Ortsverein der Walldürner SPD wieder ins Leben zu rufen. Die Versammlung zur Neubegründung des Ortsvereins fand 1946 im "Deutschen Hof" statt.
Seither ist der SPD-Ortsverein wieder eine feste Größe im politischen Leben der Stadt Walldürn, der die Entwicklung der Stadt nachhaltig geprägt hat. Josef Heilmann (Stadtrat bis 1970) leitete den SPD-Ortsverein bis 1953. Er war es auch, der den ehemaligen Bürgermeister Dr. Arthur Trautmann (Bürgermeister von 1925 - 1929) für eine erneute Kandidatur als Stadtoberhaupt in Walldürn gewinnen konnte.

Einen wesentlichen Anteil an der Modernisierung und Weiterentwicklung Walldürns in den Anfangsjahren der jungen Bundesrepublik hatte Dr. Arthur Trautmann. Neben dem Bau der Kläranlage, der Gründung des Wirtschaftsgymnasiums, der Förderung des sozialen Wohnungsbaus und wichtiger Industrieansiedlungen war vor allem die Gewinnung des Bundeswehrstandortes ein herausragender Erfolg Trautmanns.
Bereits im Jahr 1952 hat Dr. Trautmann weitsichtig und pragmatisch eine Diskussion zur Ansiedlung einer Garnison in Walldürn angestoßen – zu einem Zeitpunkt, als in der Bundespolitik noch die Frage der Wiederbewaffnung kontrovers diskutiert wurde. Mit einem Artikel „Zur Frage der Errichtung neuer Garnisonen“ in der örtlichen Presse forderte Trautmann, dass das „Badische Hinterland“ ernsthaft prüfen müsse, ob es seinen Anteil an dieser Entwicklung fordern müsse. Und im doppelten Sinne kontrovers war auch die Diskussion in Walldürn, weil die Bestrebungen Traumanns von der örtlichen SPD unterstützt wurden, während die örtliche CDU damals gegen die Ansiedlung einer Garnison war. Dabei wollte sich Trautmann nicht auf Grundsatzdiskussionen für oder gegen die Aufstellung einer Bundesdeutschen Armee einlassen – für ihn war klar, sollte die Wiederbewaffnung kommen, muss Walldürn die Chance ergreifen. Vor allem Dr. Trautmann ist es zu verdanken, dass sich Walldürn auch noch heute „Wallfahrts- und Garnisonstadt“ nennen kann.
Unterstützung im Gemeinderat fand Trautmann durch die Stadträte der SPD. Auf Josef Heilmann (Ortsvereinsvorsitzender von 1946 – 1953) folgte für ein Jahr Theodor Frei als Vorsitzender der Walldürner SPD, bevor Hermann Gaukel für 20 Jahre (1954 – 1974) die Geschicke des SPD-Ortsvereins lenken sollte.
Die Sozialitische Jugend Deutschlands "Die Falken" ist ein politischer Kinder- und Jugendverband, der zwar politisch unabhängig ist, jedoch von Beginn an der SPD nahestand. Die Falken sehen sich in der Arbeiterbewegung tief verwurzelt. Was heute nur noch wenigen bekannt ist, dass es auch in Walldürn einen Ortsverband der Falken gab.
Neben wenigen Bildern aus den Jahren 1949 bis 1950, die im Besitz des SPD-Ortsvereins Walldürn-Höpfingen-Hardheim sind, sind noch wenige Dokumente zu einem Bezirkstreffen der Falken vom 20. und 21.10.1951 im Walldürner Stadtarchiv vorhanden.

So schrieb der damalige Ortsverbandsvorsitzende an den Bürgermeister der Stadt Walldürn: "auf Wunsch des Ortsverbands Walldürn hat der Bezirk sein Treffen zum Abschluss der Sommerarbeit nach Walldürn verlegt. Um auch hier einem über die Falkenarbeit Rechenschaft geben zu können, möchte der Bezirksverband die Vorstandssitzung, den Weckruf (ein Morgenlied) und die Abschlusskundgebung durch den Ortsfunk übertragen". Ein Ansinnen, dass durch den Stadtrat abgelehnt wurde.
Wie die Rhein-Neckar-Zeitung am 23.10.1951 berichtete, richtete Bürgermeister Dr. Trautmann "anläßlich des Bezirkstreffens der sozialistischen Jugend in Walldürn 'Falken' ein Telegramm, in dem er den Teilnehmern der Tagung seine Grüße und besten Wünsche zu einem guten Verlauf des Bezirkstreffens mit einem herzlichen 'Frisch auf' entbot".
Eines der wenigen Bilddokumente aus dieser Epoche zeigt die Ehrung von Mitgliedern der ersten Stunde.
Im Rahmen einer Mitgliederversammlung im „Zähringer Hof“ ehrte der SPD-Ortsverein Walldürn am 17. März 1957 verdiente Mitglieder für ihre 40 und 50-jährige Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Damit ist auch bestätigt, dass es bereits vor der Gründung des Ortsvereins im Jahr 1918 Mitglieder der SPD in Walldürn gab.
Neben dem Ortsvereinsvorsitzenden Hermann Gaukel waren drei Mitglieder der SPD aus Heidberg zu Gast.

Auf dem Bild sind:
von links nach rechts, stehend:
drei SPD-Mitglieder aus Heidelberg, Gottfried Gaukel, Hermann Gaukel, Josef Heilmann, Alois Bosch, Theodor Frei, August Wallner, Wilhelm Kaufmann, Anton Gerold, Franz Wallner, Wilhelm Gerold
von links nach rechts, sitzend:
Ferdinand Fieger, Hermann Müller, Josef Hauk, Ludwig Dörr, Otto Scheuermann, Josef Englert
Am 15. März 1974 trafen sich die Mitglieder der SPD Walldürn im Gasthof „Zum Römischen König“ zu einer Mitgliederversammlung, zu der der langjährige Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzende Hermann Gaukel eingeladen hatte. Mit der Wahl des Stadtrats Karl Stumpf zum neuen Ortsvereinsvorsitzenden endete eine Ära, die die Walldürner Sozialdemokratie über zwei Jahrzehnte geprägt hatte.
Seit 1954 hatte Hermann Gaukel den Ortsverein durch eine Zeit tiefgreifender Veränderungen geführt. In seine Amtszeit fielen der Ausbau Walldürns zur Garnisonsstadt, die Modernisierung der kommunalen Infrastruktur, die Schaffung neuer Wohn- und Bildungseinrichtungen sowie die großen Herausforderungen der Gemeinde- und Kreisreform. Die Eingliederung mehrerer Ortsteile, die Neuordnung der Verwaltungsstrukturen und die Bildung neuer kommunaler Kooperationen bestimmten die politische Arbeit dieser Jahre. Gaukel galt als engagierter Kommunalpolitiker, der die Interessen der SPD über lange Zeit hinweg im Gemeinderat vertrat und die Entwicklung der Stadt aktiv mitgestaltete.
Der Wechsel an der Spitze des Ortsvereins erfolgte jedoch in einer politisch angespannten Situation. Nur wenige Tage zuvor hatte der Verwaltungsgerichtshof Karlsruhe die Walldürner Bürgermeisterwahl für ungültig erklärt. Hintergrund war ein am Vorabend der Wahl im Rathaus mit Mitteln der Stadtverwaltung erstelltes und vervielfältigtes Flugblatt zugunsten des damaligen Bürgermeisters Alfred Hübner. Das Schreiben war von den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats, darunter auch Hermann Gaukel für die SPD, unterzeichnet worden. Der unterlegene Gegenkandidat, der parteilose Oberregierungsrat Gerhard Schwarz, hatte gegen die Wahl geklagt und erhielt vor Gericht Recht.
Gerade unter jüngeren Bürgerinnen und Bürgern sowie innerhalb der jüngeren Generation der Walldürner Sozialdemokratie fand Gerhard Schwarz damals breite Unterstützung. Auch Karl Stumpf gehörte zu seinen Unterstützern. Die unterschiedlichen Bewertungen der Ereignisse führten zu Spannungen innerhalb des Ortsvereins. Viele jüngere Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sahen Gaukel zunehmend kritisch. Sie warfen ihm vor, den politischen Konsens mit den jeweiligen Amtsinhabern höher zu gewichten als eine eigenständige sozialdemokratische Profilierung. Diese Kritik bezog sich zunächst auf seine Unterstützung Alfred Hübners und später auch auf seine enge und von gegenseitigem Respekt geprägte Zusammenarbeit mit dessen Nachfolger Robert Hollerbach.
Diese innerparteilichen Diskussionen änderten jedoch nichts an Gaukels hoher Anerkennung in der Bürgerschaft. Bei den Gemeinderatswahlen war er bis zu seinem späteren gesundheitsbedingten Ausscheiden aus dem Gemeinderat stets Stimmenkönig der SPD-Liste. Dies verdeutlicht, dass er über Parteigrenzen hinweg großes Vertrauen genoss und von vielen Bürgerinnen und Bürgern als engagierter und verlässlicher Vertreter ihrer Interessen geschätzt wurde. Die kritische Auseinandersetzung innerhalb des Ortsvereins spiegelte daher weniger einen Verlust an öffentlicher Unterstützung wider als vielmehr unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige politische Ausrichtung der Walldürner SPD.
Die Wahl Karl Stumpfs markierte deshalb nicht nur einen personellen Wechsel, sondern auch einen Generationenwechsel innerhalb der SPD Walldürn. Während auf Bundesebene die Sozialdemokratie unter den Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt ihre erfolgreichste Phase der Nachkriegszeit erlebte und vielfach vom „sozialdemokratischen Jahrzehnt“ gesprochen wurde, gestalteten sich die politischen Rahmenbedingungen in Walldürn deutlich schwieriger. Die CDU dominierte das kommunalpolitische Geschehen, und mit Bürgermeister Robert Hollerbach verfügte sie seit Mitte der 1970er Jahre über eine starke kommunalpolitische Führungsfigur.
Für Karl Stumpf war diese Ausgangslage nicht einfach. Einerseits musste er den Ortsverein in einer Zeit führen, in der die SPD kommunalpolitisch nur begrenzte Gestaltungsmöglichkeiten besaß. Andererseits blieb Hermann Gaukel auch nach seinem Ausscheiden als Ortsvereinsvorsitzender ein einflussreicher Stadtrat, dessen kommunalpolitisches Gewicht, seine Erfahrung und seine persönlichen Beziehungen das politische Klima in Walldürn weiterhin mitprägten. Die unterschiedlichen politischen Vorstellungen beider Persönlichkeiten führten immer wieder zu Diskussionen über den zukünftigen Kurs des Ortsvereins.
Trotz dieser Herausforderungen blieb die SPD Walldürn eine verlässliche und konstruktive Kraft im Gemeinderat. In den Jahren zwischen 1974 und 1978 gelang es dem Ortsverein, die Folgen der Gemeinde- und Kreisreform aktiv zu begleiten, die Interessen der neu eingegliederten Stadtteile aufzugreifen und zugleich eine neue Generation von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern an Verantwortung heranzuführen. Damit wurden wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung und den späteren Aufschwung der Walldürner Sozialdemokratie geschaffen.
Mit den Eingemeindungen von Gerolzahn, Glashofen, Hornbach und Kaltenbrunn zum 1. Januar 1975 war die Gemeindereform in Walldürn abgeschlossen. Bereits wenige Monate später, am 20. April 1975, stand die erste Kommunalwahl im neu entstandenen Stadtgebiet an. Wahlberechtigt und wählbar war damals, wer das 21. Lebensjahr vollendet hatte.
Auch die SPD stellte früh die Weichen für diesen wichtigen Urnengang. Am 16. Februar 1975 lud der damalige Ortsvereinsvorsitzende Karl Stumpf zu einer gemeinsamen Mitgliederversammlung der Ortsvereine Walldürn und Altheim ein. Die Zusammenkunft fand am 1. März 1975 in der Gaststätte „Fuchsbau“ statt. Bemerkenswert ist dabei, dass die SPD bereits damals bewusst auf eine offene Kandidatensuche setzte. Eingeladen waren nicht nur Parteimitglieder, sondern ausdrücklich auch „sonstige Mitbürger, die sich zur Kandidatur bereiterklärt haben“. Die Partei suchte damit über die eigenen Reihen hinaus Persönlichkeiten, die die Interessen der Kernstadt und der neu hinzugekommenen Ortsteile vertreten konnten.
Die Gemeindereform hatte nicht nur die Grenzen der Stadt verändert, sondern brachte mit der unechten Teilortswahl auch ein neues Wahlsystem mit sich. Dieses sollte sicherstellen, dass die eingegliederten Stadtteile im Gemeinderat angemessen vertreten waren. Die neue Regelung war jedoch erklärungsbedürftig. Deshalb wandte sich Karl Stumpf schriftlich an den damaligen Amtsverweser Robert Hollerbach, um Auskunft darüber zu erhalten, wie sich der künftige Gemeinderat zusammensetzen und wie viele Sitze auf die einzelnen Wohnbezirke entfallen würden.
Nur wenige Tage später, am 14. März 1975, traf sich eine Programmkommission in der „Goldenen Rose“, um ein gemeinsames Wahlprogramm für die neue Gesamtstadt zu erarbeiten.
Die Vorbereitungen zeigen, wie engagiert die SPD Walldürn den politischen Neuanfang nach der Gemeindereform mitgestaltete. Offenheit bei der Kandidatensuche, die Einbindung aller Stadtteile und die sorgfältige Vorbereitung auf die neuen Rahmenbedingungen prägten bereits vor über 50 Jahren das kommunalpolitische Selbstverständnis der Sozialdemokratie in Walldürn.
Die Bundestagswahl vom 5. Oktober 1980 fiel in eine Phase der Erneuerung innerhalb der Walldürner SPD. Bereits 1978 hatte Karl-Heinz Joseph den Vorsitz des Ortsvereins übernommen und damit einen Generationswechsel an der Parteispitze eingeleitet. Zwar blieb Hermann Gaukel weiterhin Vorsitzender der SPD-Gemeinderatsfraktion und garantierte damit Kontinuität in der kommunalpolitischen Arbeit, doch setzte Joseph in den folgenden Jahren immer wieder neue Impulse für die Parteiarbeit. Ziel war es, den Ortsverein organisatorisch zu stärken, die Mitglieder stärker einzubinden und auch bisher weniger aktive Genossinnen und Genossen wieder für die politische Arbeit zu gewinnen.
Wie die SPD in den Fränkischen Nachrichten vom 13. Oktober 1980 mitteilte, nahm das Ergebnis der Bundestagswahl in einer Vorstandssitzung breiten Raum ein. Anhand der Zahlen aus den einzelnen Stimmbezirken stellte der Vorstand erfreut fest, dass die SPD in Walldürn ihr gutes Ergebnis der vorangegangenen Wahl nochmals um mehr als zwei Prozentpunkte verbessern konnte. Zugleich habe sich durch den Rückgang der CDU der Abstand zwischen beiden Parteien „obgleich immer noch groß, kräftig verringert“. Der Vorstand dankte allen Wahlhelferinnen und Wahlhelfern, die zu diesem Ergebnis beigetragen hatten, und beauftragte eine Arbeitsgruppe mit einer detaillierten Wahlanalyse, die zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden sollte.
Dass der Ortsverein unter Karl-Heinz Joseph neue Wege beschritt, zeigte sich auch in weiteren Beschlüssen dieser Sitzung. Für die Generalversammlung am 2. November 1980 wurde eine Vorschlagsliste vorbereitet. Zudem beschloss der Vorstand, erstmals ein örtliches Mitglieder-Informationsblatt herauszugeben. Dieses sollte künftig regelmäßig über die Aktivitäten des Ortsvereins und der Gemeinderatsfraktion berichten. Man verband damit ausdrücklich die Hoffnung, auch manches „alte“ Parteimitglied wieder stärker zu aktivieren. Selbst die wegen schlechter Witterung verschobene Grillfeier wurde nicht abgesagt, sondern lediglich vertagt – „aufgeschoben, nicht aufgehoben“, wie die Partei betonte. Nach einem Bericht von Hermann Gaukel über die Arbeit der SPD-Stadträte schloss sich eine lebhafte Diskussion über aktuelle kommunalpolitische Fragen an.
Der Optimismus der Walldürner Sozialdemokraten stand im Einklang mit der bundespolitischen Entwicklung. Unter Bundeskanzler Helmut Schmidt erzielte die SPD bei der Bundestagswahl 1980 mit 42,9 Prozent ihr bis heute bestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl. Schmidt genoss in der Bevölkerung ein hohes Maß an Vertrauen. In einer Zeit, die noch von den wirtschaftlichen Folgen der Ölkrisen, steigender Arbeitslosigkeit und Inflationssorgen geprägt war, galt er vielen als besonnener und kompetenter Krisenmanager. Die sozialliberale Koalition aus SPD und FDP erhielt dadurch einen klaren Regierungsauftrag.
Vor diesem Hintergrund gewinnt das Walldürner Wahlergebnis zusätzlich an Bedeutung. Die SPD profitierte zwar vom bundesweiten Rückenwind, doch die Verbesserung um mehr als zwei Prozentpunkte vor Ort zeigt, dass sie sich auch in Walldürn zunehmend stärker verankern konnte. Das Ergebnis war damit nicht nur Ausdruck der Popularität Helmut Schmidts, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die von Karl-Heinz Joseph seit 1978 angestoßene inhaltliche und organisatorische Erneuerung des Ortsvereins Wirkung zeigte. Für die Walldürner SPD markierte das Jahr 1980 somit eine Phase, in der Bewährtes und Neues erfolgreich miteinander verbunden wurden.
Karl-Heinz Joseph, seit 1978 Ortsvereinsvorsitzender der SPD-Walldürn und seit 1980 Stadtrat in Walldürn, führt die Walldürner Sozialdemokraten unter dem Slogan "Neuer Fortschritt für Walldürn" auf einen neuen Erfolgskurs.
Ausgangspunkt waren die Kommunalwahlen 1989 bei denen Karl-Heinz Joseph als Ortsvereinsvorsitzender und Fraktionsvorsitzender das Aktionsprogramm "Neuer Fortschritt für Walldürn" vorstellte. Die Zielrichtung war klar: zum einen galt es die Vormachtstellung der CDU in Walldürn zu brechen, zum anderen verdeutlichte er seinen Anspruch bei der kommenen Bürgermeisterwahl das Rathaus wieder für die SPD-Walldürn zu gewinnen.
"Wir Walldürner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wollen mit unserem politschen Handeln Einfluß nehmen auf das gegenwärtige und zukünfitge Zusammenleben in unserem Gemeinwesen. Unsere kommunalpolitischen Ziele fragen dabei in erster Linie danach, was Kommunalpolitik für die Mehrheit unserer Mitbüger leisten kann, was wir in der Kommunalpolitik für unsere Kinder und Kindeskinder tun können . . ." heißt es in den Vormerkungen zum Wahlprogramm.

Fortschrittlich war nicht nur das Wahlprogramm, indem die SPD-Walldürn zu allen wesentlichen Themen, wie Gesundheit, Vorsorge, Altenhilfe oder Jugend, Umwelt, Schule, Kultur und Vereine klare Positionen bezog. Fortschrittlich war auch das Kandidatenprospekt, das mit persönlichen Texten die Kandidatinnen und Kandidaten der SPD-Walldürn vorstellte.
Ein weiterer Baustein des Erfolges war, dass sich auf der SPD-Liste auch parteilose Kandidatinnen und Kandidaten fanden, die sich durch ihr Engagement für die Allgemeinheit und die Walldürner Vereine zuvor schon einen Namen in Walldürn gemacht hatten.
Das Wahlergebnis bestätigte den eingeschlagenen Weg. Die örtliche Presse titelte: "SPD darf sich als Sieger fühlen".
Es gelang der SPD-Fraktion von bisher fünf auf neun Sitze zu klettern. Karl-Heinz Joseph gelang es die meisten Stimmen auf sich zu vereinigen. Mit Herbert Kilian und Alfred Rippberger hatte sie SPD zwei weitere "Zugpferde" im Rennen. Während die CDU-Walldürn ihr Ergebnis nur noch durch die Ortsteile retten konnte, erlitten die Freien Wähler Walldürn (WBV) einen herben Einbruch von sechs auf zwei Sitze. "Wenn das Bild im SPD-Prospekt - Joseph auf der Treppe zum Walldürner Rathaus - symtomatisch sein sollte, könnte dies zu größeren Taten beflügeln und Ansporn sein", konnten die Walldürner in der Rhein-Neckar-Zeitung lesen.
Mit dem 1. Juni 1991 brach für die SPD in Walldürn eine neue Ära an. Erstmals seit 1966 wurde mit Karl-Heinz Joseph wieder ein Sozialdemokrat Bürgermeister der Wallfahrts- und Garnisonsstadt. Dabei galt Walldürn über Jahrzehnte hinweg als unbezwingbare Bastion der CDU. Mit einem sensationellen Ergebnis von 53,8% setzte er sich im ersten Wahlgang gegen seine drei Mitbewerber durch. Ein so eindeutiges Ergebnis im ersten Wahlgang hatten nur wenige erwartet.
Der damalige Ortsvereinsvorsitzende Karl-Heinz Joseph war bereits zuvor als Stadtrat (seit 1980) und Kreisrat (seit 1984) ein über die Stadtgrenzen bekannter und geschätzter Kommunalpolitiker. In den kommenden 16 Jahren sollte er die Fortentwicklung der Stadt und ihrer Ortsteile nachhaltig prägen.
Bereits zur Hälfte seiner ersten Amtszeit im Jahr 1995 konnte er eine beeindruckende Bilanz ziehen. Neben dem Wohnungsbauschwerpunkt „Vorderer Wasen“ und dem Verbandsindustriepark „VIP“ konnte Karl-Heinz Joseph eine Vielzahl von gelungenen Maßnahmen der Stadtsanierung und Dorfentwicklung auflisten, so dass sich Walldürn zur 1200-Jahr-Feier mit Stolz präsentieren konnte.
Dabei kam ihm seine große Überzeugungskraft, sein Gerechtigkeitssinn und seine Fähigkeit faire Kompromisse auszuloten besonders zugute. Als er sein Amt antrat hatte die CDU mit 18 Sitzen im Gemeinderat eine überwältigende Mehrheit. Dennoch gelang es Karl-Heinz Joseph für seine Ideen Mehrheiten zu gewinnen.
Die Nachfolge als Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzender trat Herbert Kilian an. Ihm folge 1995 für zwei Jahre Josef Priwitzer als Ortsvereinsvorsitzender.
Im April 1997 trat Ralf Beyersdorfer, damals als jüngster Ortsvereinsvorsitzender im Neckar-Odenwald-Kreis, die Nachfolge von Josef Priwitzer an. Das 80-jährige Ortsvereinsjubiläum wurde neben einem Festakt erstmals auch mit einer Kabarettveranstaltung der Mannheimer "Dusche" gefeiert. Neue Akzente setzt Beyersdorfer auch bei den Wahlkampfveranstaltungen. An die Stellen von "Nebenzimmerveranstaltungen" traten themenbezogene Veranstaltungen, wie beispielsweise der "Tag der regenerativen Energie" und Podiumsdiskussionen, wie das "Forum innere Sicherheit" mit dem Innenminister a.D. Frieder Birzele, die Podiumsdiskussion zum "Kirchensozialwort" mit örtlichen Vertretern beider Konfessionen oder "Kinderarmut in Deutschland".
Politik soll "vor Ort" stattfinden und für die Bürger und Mitglieder informativ sein. So standen Besuche bei der Freiwilligen Feuerwehr, der Polizei, dem Deutschen Roten Kreuz und Walldürner Unternehmen ebenso auf der Tagesordnung, wie Rundgänge zum Generalverkehrsplan oder dem VIP.
Mit der Wahl von Karl-Heinz Joseph zum Bürgermeister der Stadt Walldürn endete 1991 eine prägende Ära in der Geschichte des SPD-Ortsvereins. Joseph hatte den Ortsverein seit 1979 geführt und ihn in dieser Zeit zu einer festen politischen Größe in Walldürn entwickelt. Unter seiner Leitung stiegen die Mitgliederzahlen deutlich an, die Wahlergebnisse verbesserten sich kontinuierlich, und die SPD konnte ihre Stellung im Gemeinderat erheblich ausbauen.
Da das Amt des Bürgermeisters mit dem Parteivorsitz nicht vereinbar war, gab Joseph den Vorsitz des Ortsvereins ab. In seinem Rückblick hob er hervor, dass die Erfolge der vergangenen Jahre auf dem starken Gemeinschaftssinn innerhalb des Ortsvereins beruhten: „Nicht ein einzelner hat die aufgezeigte gute Arbeit herbeigeführt, sondern wir haben dies gemeinsam geschafft. So soll es auch in Zukunft bleiben.“
Mit Herbert Kilian begann anschließend eine neue Phase der Ortsvereinsgeschichte. Er wurde zum Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins gewählt und übernahm zugleich den Vorsitz der SPD-Gemeinderatsfraktion. Als enger Vertrauter von Bürgermeister Joseph stand er für Kontinuität und eine verlässliche Fortführung der erfolgreichen Arbeit der vergangenen Jahre. Kilian kündigte an, den Aufwärtstrend der SPD durch eigenständige Politik fortzusetzen und dabei weiterhin das Wohl der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt zu stellen.
Neben den Neuwahlen wurden langjährige Mitglieder für ihre Treue zur Partei geehrt. Auch Karl-Heinz Joseph erhielt für seine zwölfjährige Tätigkeit als Ortsvereinsvorsitzender eine besondere Anerkennung.
Der Generationenwechsel 1997: Von Josef Priwitzer zu Ralf Beyersdorfer
Im Frühjahr 1997 vollzog die SPD Walldürn einen wichtigen personellen Wechsel an ihrer Spitze. Bei der Generalversammlung des Ortsvereins wurde Ralf Beyersdorfer zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er löste damit Josef Priwitzer ab, der den Ortsverein seit 1995 geführt hatte und künftig als stellvertretender Vorsitzender weiterhin Verantwortung übernahm. Die Übergabe erfolgte in großer Geschlossenheit und stand für die Verbindung von Kontinuität und Erneuerung innerhalb der Walldürner Sozialdemokratie.
Josef Priwitzer konnte in seinem Rechenschaftsbericht auf zwei erfolgreiche Jahre zurückblicken. Unter seiner Führung engagierte sich die SPD Walldürn unter anderem bei der Diskussion um die Neugestaltung der Hauptstraße, organisierte zahlreiche öffentliche Veranstaltungen und unterstützte die Wiederbelebung der Jusos vor Ort. Gleichzeitig richtete sich der Blick bereits auf die Bundestagswahl 1998 und die zukünftigen politischen Herausforderungen. Aus dem Amt des Vorsitzenden zog sich Priwitzer zwar zurück, blieb dem Vorstand jedoch als Stellvertreter erhalten und sorgte damit für einen reibungslosen Übergang.
Mit Ralf Beyersdorfer übernahm ein engagierter Kommunalpolitiker die Führung des Ortsvereins, der bereits zuvor dem Vorstand angehört hatte. Dort war er insbesondere für die Pressearbeit sowie die Zusammenarbeit mit dem SPD-Kreisverband verantwortlich. Durch diese Aufgaben hatte er sich sowohl innerhalb der Partei als auch in der politischen Öffentlichkeit der Region einen Namen gemacht und wichtige Erfahrungen in der Organisation und Außendarstellung des Ortsvereins gesammelt.
Die Wahl Beyersdorfers markierte einen Generationenwechsel innerhalb der SPD Walldürn. Während bewährte Kräfte weiterhin Verantwortung übernahmen, erhielt zugleich eine jüngere Generation die Möglichkeit, die politische Arbeit vor Ort mitzugestalten. Der neue Vorsitzende knüpfte an die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers an und führte den Ortsverein gemeinsam mit einem breit aufgestellten Vorstand in die zweite Hälfte der 1990er Jahre.
Der Wechsel von Josef Priwitzer zu Ralf Beyersdorfer war damit mehr als eine reine Personalentscheidung. Er symbolisierte die Fähigkeit der SPD Walldürn, Verantwortung geordnet weiterzugeben, Erfahrung und neue Ideen zu verbinden und die kommunalpolitische Arbeit im Sinne ihrer Mitglieder und der Bürgerinnen und Bürger kontinuierlich fortzuführen.
Wieder einmal war die SPD-Walldürn Vorreiter. Mit einem symbolischen Tastendruck durch den damaligen Kreisvorsitzenden Gerd Teßmer MdL startet der SPD-Ortsverein Walldürn die erste Homepage einer politischen Partei im gesamten Landkreis und bot damit den Bürgerinnen und Bürgern weit früher als die CDU Walldürn oder die Freien Wähler Walldürns ein zeitgemäßes Informationsangebot. Neben der Rubrik "Aktuelles“, wo auf die Termine und Veranstaltungen der Walldürner SPD verwiesen wurde gab es die Rubriken „Fraktion“, „Meinungen“ und „Presse“. Weiterhin bot die Homepage die Möglichkeit sich per Mail an die SPD-Walldürn zu wenden.
Auf Einladung des SPD-Ortsverein Walldürn traf man sich zu einer kleinen „Eröffnungsfeier“ im Gasthaus „Burgtörle“ in Walldürn. Neben den Mitgliedern des SPD-Ortsvereinsvorstandes und dem Kreisvorsitzenden Gerd Teßmer waren die Mitglieder der SPD-Gemeinderatsfraktion Walldürn mit ihrem Vorsitzenden Herbert Kilian sowie Bürgermeister Karlheinz Joseph eingeladen. Ein besonderer Willkommensgruß galt dem damaligen Internetbeauftragten der SPD Walldürn Rainer Weiß, der die Homepage aufgebaut und mit ersten Inhalten gefüllt hatte.
In seiner Ansprache verwies der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ralf Beyersdorfer darauf, dass schon viele Mitglieder der SPD das Internet privat nutzten und so sei die Idee entstanden auch dem SPD-Ortsverein und der SPD-Gemeinderatsfraktion eine Möglichkeit zu schaffen sich im Internet zu präsentieren. Vor allem solle die Homepage aber den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit bieten, sich über die handelnden Personen sowie Meinungen der SPD-Fraktion zu aktuellen Themen zu informieren. Wichtig sei aber, dass die Homepage nur eine Ergänzung zum persönlichen Gespräch sein solle.
Bevor er den offiziellen „Startschuss“ mit einem symbolischen Mausklick gab, zeigte sich der SPD-Kreisvorsitzende Gerd Teßmer erfreut darüber, dass die Walldürner Sozialdemokraten nunmehr mit dieser Homepage im Internet für ihren Ortsverein und aber auch für die SPD im Neckar-Odenwald-Kreis als eine moderne Partei werben.
Mit einer Ausstellung im "Reilschen Haus" erinnerte der SPD Ortsverein Walldürn am 10. Dezember 1997 an den 100. Geburtstag des Sozialdemokraten Fridolin Bischof
Fridolin Bischof war von 1925 bis 1933 in Walldürn als Hauptlehrer tätig. Am 19.03.1927 wurde er in Walldürn als Gemeinderat verpflichtet und rückte neben dem damaligen Bürgermeister Arthur Trautmann zum Vizebürgermeister auf. In dieser Zeit engagierte er sich, oft unter großen persönlichen Opfern, besonders für die sozial schwachen Mitbürger.
Aber nicht nur als sozialer Wohltäter sondern auch als unermüdlicher Streiter für die Demokratie und gegen den heraufziehenden Nationalsozialismus war er bekannt. Hierfür wurde er 1933 eines der ersten Opfer nationalsozialistischer Verfolgung.
Bereits 2016 gab es erste Überlegungen seitens des SPD-Kreisvorstandes im Rahmen einer Neuordnung der Ortsverein auch Walldürn, Hardheim und Höpfingen zusammenzulegen. Insbesondere der Ortsverein Höpfingen drängte auf einen Zusammenschluss, da sich die Ortsvereinsarbeit auf wenige Aktive konzentrierte. Während also Hardheim und Höpfingen sich für die Fusion aussprachen, stießen die Pläne des Kreisvorstandes beim Walldürner Ortsverein zuerst auf wenig Gegenliebe.
Dennoch traf man sich im November 2017 zu einem ersten gemeinsamen Termin im Gasthof „Dolce Vita“ in Höpfingen. Letztendlich war die Situation in allen drei Ortsvereinen vergleichbar: bei allen drei Ortsvereinen lag der Schwerpunkt der politischen Arbeit vor Ort auf kommunalpolitischen Themen. Die satzungsmäßigen Aufgaben der Ortsvereine waren auf das Nötigste beschränkt. Die öffentlichen Aktivitäten waren in den drei Orten recht unterschiedlich.
Aus allen drei Ortsvereinen erklärten sich Mitglieder bereit auch nach einer Fusion Funktionen im Ortsvereinsvorstand zu übernehmen. Die Fusion sollte letztendlich dann nach der Kommunalwahl 2019 stattfinden.
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