Heute vor 30 Jahren: SPD fordert Bürgerentscheid zur Zukunft der Hauptstraße
Die Diskussion um die Gestaltung der Walldürner Hauptstraße beschäftigt die Stadt seit Jahrzehnten. Heute vor 30 Jahren brachte die SPD-Fraktion einen Antrag in den Gemeinderat ein, der den Bürgerinnen und Bürgern die Entscheidung über die Einführung einer Fußgängerzone übertragen sollte.
Adressiert war der Antrag an Bürgermeister Karl-Heinz Joseph als Vorsitzenden des Gemeinderates. Die SPD-Fraktion unter ihrem Vorsitzenden Herbert Kilian begründete ihren Vorstoß damit, dass die Einrichtung von Fußgängerzonen eine „so wichtige Angelegenheit" für die Stadt sei, dass darüber die „Betroffenen", also die Walldürner Bevölkerung, selbst entscheiden sollten.
Auslöser des Antrags war unter anderem eine Umfrage des damaligen Bundes der Selbstständigen (BdS) Walldürn unter seinen Mitgliedern. Das Ergebnis zeigte ein gespaltenes Meinungsbild: Von 96 Befragten sprachen sich jeweils 35 für eine „große Fußgängerzone" beziehungsweise für eine Einbahnstraße mit begleitendem Fußgängerweg aus. Neun Personen bevorzugten eine kleine Fußgängerzone, während 17 dafür plädierten, alles beim Alten zu belassen.
Die SPD beantragte deshalb, die Hauptsatzung der Stadt Walldürn dahingehend zu ändern, dass die Einrichtung von Fußgängerzonen als „wichtige Gemeindeangelegenheit" im Sinne der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg eingestuft wird. Zudem sollte die Entscheidung über die Einführung von Fußgängerzonen durch einen Bürgerentscheid getroffen werden.
Die Fraktion erklärte sich zugleich damit einverstanden, den Antrag zunächst zur Vorberatung an den zuständigen Verwaltungsausschuss des Gemeinderats zu verweisen.
Der Vorstoß zeigt, wie früh in Walldürn die direkte Beteiligung der Bürgerschaft bei wichtigen städtebaulichen Fragen diskutiert wurde. Der Bürgerentscheid wurde von der konservativen Mehrheit des Gemeinderates verworfen.
Mittlerweile wurden verschiedene Konzepte von der Fußgängerzone über einen verkehrsberuhigten Bereich bis zur unechten Einbahnstraße ausprobiert und teilweise wieder verworfen. Die Frage, wie die Zukunft der Walldürner Hauptstraße sich weiter entwickeln wird, ist auch heute ein Thema, das die Menschen in der Stadt bewegt.