1979 blickte Peter Assion auf die Anfänge der SPD Walldürn zurück
Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der SPD Walldürn beschäftigte sich der Walldürner Historiker und damalige Stadtrat Dr. Peter Assion 1979 ausführlich mit den Anfängen der Sozialdemokratie in der Stadt. Sein Beitrag erschien am 2. Mai unter der Überschrift „Beargwöhnt und beäugt – SPD mit wahrem Bekennermut“.
Assion führte die Gründung des Ortsvereins auf die große Maifeier von 1919 auf der Walldürner Heide zurück. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Voraussetzungen für die Entstehung einer organisierten Arbeiterbewegung bereits deutlich früher vorhanden waren.
Die Wurzeln lagen in der Walldürner Arbeiterschaft
Besondere Bedeutung maß Assion der wirtschaftlichen Entwicklung Walldürns im ausgehenden 19. Jahrhundert bei. Er verwies auf die nach 1870 florierenden Blumenfabriken, die Steinbruchindustrie und die später hinzukommende Holzindustrie. Walldürn sei dadurch in seiner weiteren Umgebung besonders stark industrialisiert gewesen.
Diese Entwicklung habe auch die politische Orientierung eines Teils der Bevölkerung verändert. Sozialdemokratische Gedanken erreichten Walldürn nach Assions Darstellung unter anderem über Verbindungen nach Mannheim, das sich zu einem wichtigen Zentrum der badischen Sozialdemokratie entwickelt hatte. Auch Arbeiter, die außerhalb Walldürns tätig waren, brachten neue politische Vorstellungen mit nach Hause.
Damit bestätigt Assions Rückblick eine Spur, die sich auch in anderen Quellen zur Geschichte der Walldürner Arbeiterbewegung erkennen lässt: Die frühe Geschichte der Sozialdemokratie wurde nicht erst 1919 geschrieben. Ihre Voraussetzungen entstanden bereits zuvor in den Steinbrüchen, Betrieben und Sägewerken der Stadt.
Sozialdemokrat zu sein erforderte Mut
Assion erinnerte zugleich daran, dass ein öffentliches Bekenntnis zur Sozialdemokratie im katholisch geprägten ländlichen Raum keineswegs selbstverständlich war. Staat und Kirche hätten der neuen politischen Bewegung lange mit Misstrauen gegenübergestanden. Wer sich bereits vor 1918 als Sozialdemokrat bekannte, benötigte nach Assions Worten deshalb einen besonderen „Bekennermut“.
Mit der politischen Neuordnung nach dem Ersten Weltkrieg konnten sich diese bereits vorhandenen Ansätze schließlich offen organisieren. Die Maifeier von 1919 auf der Heide wurde im Rückblick des Ortsvereins zum zentralen Bezugspunkt seiner Gründung.
Aus der zunächst kleinen Arbeiterbewegung entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten eine starke kommunalpolitische Kraft. Walldürn wurde schließlich zu einer SPD-Hochburg im damaligen Kreis Buchen.
Die „alte Garde“ der Walldürner SPD
Der Zeitungsartikel von 1979 wurde mit einer Aufnahme aus dem Jahr 1957 illustriert. Das Foto zeigt eine große Gruppe langjähriger Walldürner Sozialdemokraten bei einer Mitgliederehrung im „Zähringer Hof“.
Darunter finden sich mehrere Persönlichkeiten, die die Geschichte des Ortsvereins über Jahrzehnte prägten: Hermann Gaukel, Vorsitzender von 1954 bis 1974, Josef Heilmann, Vorsitzender vor 1933 und erneut von 1945 bis 1953, sowie unter anderem Josef Englert, Ferdinand Fieger, Hermann Müller, Josef Hauck, Ludwig Dörr und Otto Scheuermann.
Das Bild schlägt damit eine Brücke von den frühen Sozialdemokraten der ersten Jahrzehnte über den Neubeginn nach 1945 bis zu jener Generation, die beim 60-jährigen Jubiläum 1979 auf die Geschichte des Ortsvereins zurückblickte.
Quelle: Dr. Peter Assion: „Beargwöhnt und beäugt – SPD mit wahrem Bekennermut“, Zeitungsbeitrag vom 2. Mai 1979 zum 60-jährigen Bestehen des SPD-Ortsvereins Walldürn.