Im Mai 1979 feierte der SPD-Ortsverein Walldürn sein 60-jähriges Bestehen. Mehrere Terminankündigungen und ein ausführlicher Pressebericht dokumentieren ein Jubiläumsprogramm, das Rückblick, öffentliche politische Veranstaltungen und die Ehrung langjähriger Mitglieder miteinander verband. Im Mittelpunkt standen der Empfang des Ortsvereins, ein historischer Festvortrag von Dr. Peter Assion sowie eine Kreisdelegiertenkonferenz mit dem früheren Bundesfinanzminister Prof. Dr. Dr. Alex Möller.
Drei Veranstaltungen zum Jubiläum
Den Auftakt bildete am 5. Mai 1979 um 19 Uhr ein Empfang des SPD-Ortsvereins im Café Käth. Bei diesem Termin fand die eigentliche Jubiläumsfeier zum 60-jährigen Bestehen statt.
Am 9. Mai 1979 um 19.30 Uhr folgte im Gasthof „Zum Ritter“ eine öffentliche Veranstaltung. Dort hielt der Walldürner Historiker und Stadtrat Dr. Peter Assion einen Vortrag zur Geschichte der Walldürner Arbeiterbewegung und zu 60 Jahren SPD Walldürn.
Den Abschluss bildete am 12. Mai 1979 um 14.30 Uhr eine Kreisdelegiertenkonferenz des SPD-Kreisverbandes Neckar-Odenwald im Haus der offenen Tür. Festredner war der frühere Bundesfinanzminister und Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Dr. Alex Möller. Sein Vortrag stand unter dem Thema „SPD – Geschichte und Gegenwart“.
Die Ankündigungen betonten ausdrücklich, dass die Veranstaltungen öffentlich waren und die Bevölkerung eingeladen war.
Empfang im Café Käth
Ausführlich berichtete die Presse über den Empfang am 5. Mai. Unter der Überschrift „Sechs Jahrzehnte politische Arbeit in der Stadt“ wurde das Jubiläum nicht nur als interne Parteifeier, sondern als Teil der politischen Entwicklung Walldürns dargestellt.
Ortsvereinsvorsitzender Karl Stumpf begrüßte die Gäste. Unter ihnen waren Bürgermeister Robert Hollerbach, dessen Stellvertreter Hermann Gaukel und Scheuermann sowie Vertreter der Stadtverwaltung, anderer Parteien, der Gewerkschaften, Vereine und benachbarter SPD-Ortsvereine.
Bürgermeister Robert Hollerbach überbrachte bei diesem Empfang die Glückwünsche der Stadt. In seiner Ansprache würdigte er die Arbeit des SPD-Ortsvereins und erinnerte zugleich an die politische Entwicklung Walldürns in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.
Erinnerung an Artur Trautmann
In seinem Rückblick ging Hollerbach auch auf die Zeit unter Bürgermeister Dr. Artur Trautmann ein. Er hob dessen Anteil am Wiederaufbau und an der Entwicklung der Stadt hervor.
Der Pressebericht hält außerdem fest, dass Trautmann sich seinerzeit für die Einrichtung einer Bundeswehrgarnison in Walldürn eingesetzt habe – auch gegen damals innerhalb seiner eigenen Partei bestehende Vorbehalte.
Der Jubiläumsbericht von 1979 liefert damit einen weiteren zeitgenössischen Hinweis auf die Rolle, die Artur Trautmann bei der Entwicklung Walldürns zur Garnisonsstadt zugeschrieben wurde.
Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg
Hollerbach verband den historischen Rückblick mit einer Würdigung der politischen Zusammenarbeit in Walldürn. Der Bericht beschreibt die Beziehungen zwischen den demokratischen Kräften der Stadt als von gegenseitigem Respekt geprägt.
Damit wird auch ein Merkmal sichtbar, das die kommunalpolitische Arbeit in Walldürn über viele Jahre kennzeichnete: politische Unterschiede wurden ausgetragen, zugleich blieb die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Aufgaben für die Stadt möglich.
Peter Assion blickt auf die Anfänge zurück
Einen besonderen historischen Schwerpunkt erhielt das Jubiläum durch den Festvortrag von Dr. Peter Assion. Assion war nicht nur Mitglied des Gemeinderats, sondern beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte Walldürns und der örtlichen Arbeiterbewegung.
Als anschauliches Zeugnis früherer Parteiarbeit präsentierte er eine noch erhaltene alte Parteikasse des Ortsvereins. Anschließend zeichnete er ausführlich die Entwicklung der Walldürner Sozialdemokratie nach.
Als wichtigen Ausgangspunkt nennt der Bericht das „historische Maifest 1919 auf der Heide in Walldürn“. Damit wurde bereits beim Jubiläum 1979 die frühe Geschichte der SPD Walldürn eng mit der örtlichen Arbeiterbewegung und den politischen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg verbunden.
Von Almosen zu Mitbestimmung
Assion stellte die Entwicklung der Arbeiterbewegung zugleich in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Nach dem Ersten Weltkrieg habe sich die Arbeiterschaft zunehmend organisiert.
Der Bericht fasst diese Entwicklung prägnant zusammen: An die Stelle der Forderung nach Almosen seien Forderungen nach besserer Bezahlung, Mitbestimmung und gewerkschaftlicher Organisation getreten.
Damit ordnete Assion die Geschichte der SPD Walldürn nicht als isolierte Parteigeschichte ein, sondern als Teil einer umfassenderen sozialen und politischen Entwicklung.
Ehrungen für langjährige Mitglieder
Das Jubiläum bot auch Gelegenheit, Mitglieder auszuzeichnen, die die SPD Walldürn über viele Jahrzehnte begleitet hatten.
Geehrt wurden der frühere langjährige Stadtrat Josef Heilmann, Otto Müller sowie der frühere Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzende Hermann Gaukel.
Hermann Gaukel wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SPD mit der goldenen Parteinadel ausgezeichnet.
Gerade Gaukel gehört damit zu den Persönlichkeiten, die auch beim Jubiläum 1979 erneut im Mittelpunkt der Walldürner Sozialdemokratie standen. Über viele Jahre hatte er den Ortsverein und die Gemeinderatsfraktion geführt und die kommunalpolitische Arbeit der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich mitgeprägt.
Geschichte als Auftrag für die Zukunft
Das Jubiläum von 1979 war nicht ausschließlich rückwärtsgewandt. Der damalige SPD-Kreisvorsitzende Dr. Günter Brauch verband seine Glückwünsche mit der Aufforderung, an die Tradition der Partei anzuknüpfen und sich weiterhin für sozialen und äußeren Frieden einzusetzen.
Auch die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte sollte fortgesetzt werden. Im Bericht wird ausdrücklich der Wunsch genannt, die Geschichte des Ortsvereins weiter zu veröffentlichen und damit einem größeren Kreis zugänglich zu machen.
Zugleich wurde die Jugendarbeit als wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre hervorgehoben.
Das 60-jährige Bestehen zeigt damit einen Ortsverein, der seine eigene Geschichte bereits 1979 bewusst dokumentierte und öffentlich vermittelte. Dabei begegnen mehrere Persönlichkeiten, die die Geschichte der SPD Walldürn über Jahrzehnte hinweg prägten: Dr. Artur Trautmann, Hermann Gaukel und Dr. Peter Assion. Zugleich richtete sich der Blick auf die zukünftige politische Arbeit in der Stadt.
Quelle: Zeitgenössische Terminankündigungen und Pressebericht zum 60-jährigen Bestehen des SPD-Ortsvereins Walldürn, Mai 1979.