Rückblick vor 20 Jahren: Als Karl-Heinz Joseph in den Landtag einzog – ein Wahlabend voller Spannung und Emotionen

Veröffentlicht am 26.03.2026 in Historisches
 

Rückblick vor 20 Jahren: Als Karl-Heinz Joseph in den Landtag einzog – ein Wahlabend voller Spannung und Emotionen

Am 26. März 2006 schrieb Karl-Heinz Joseph politische Geschichte für Walldürn und den Neckar-Odenwald-Kreis. Dem damaligen Walldürner Bürgermeister gelang bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg über die Zweitauszählung der Einzug in den baden-württembergischen Landtag. In der Nibelungenhalle erlebten Hunderte Unterstützer einen Abend voller Hoffen, Zittern und schließlich großer Freude.

Auch 20 Jahre später erinnern sich viele Beteiligte noch an die besondere Atmosphäre dieses Wahlabends. Zunächst überwog bei den Sozialdemokraten die Anspannung. Die ersten Hochrechnungen hatten der SPD landesweit deutliche Verluste beschert. Lachen und Weinen lagen in der Nibelungenhalle zeitweise nah beieinander. Doch je weiter der Abend voranschritt, desto größer wurde die Hoffnung, dass Karl-Heinz Joseph der Sprung nach Stuttgart gelingen könnte.

Schon früh am Abend verfolgte Joseph gemeinsam mit seinen Unterstützern die ersten Ergebnisse im Foyer der Nibelungenhalle. Dort war eine große Leinwand aufgebaut, auf der die aktuellen Zahlen eingeblendet wurden. Eine Radioreporterin stellte ihm die Frage, die an diesem Abend alle beschäftigte: Wird der Walldürner Bürgermeister bald Mitglied des Landtags sein?

Joseph nahm die Situation mit Humor. Gegen 20.20 Uhr grinste er und antwortete auf die Frage nach seinem möglichen Erfolg: „Um elf“, sagte er damals schmunzelnd, „soll der Landrat zum Gratulieren kommen.“

Die ersten Auszählungen sahen Karl-Heinz Joseph und die SPD im Neckar-Odenwald-Kreis mit 15.939 Stimmen auf Rang vier der Direktstimmenwertung. Dennoch zeigte sich der Kandidat vorsichtig optimistisch. „Wir haben weniger verloren als andere Kreise“, erklärte Joseph. Im Vergleich zur vorherigen Wahl habe man zahlreiche Wahlkreise hinter sich gelassen. Damals hatte für Gerd Teßmer bereits Rang acht genügt, um ein Mandat zu erhalten. Ob es diesmal reichen würde, blieb offen. „Wir müssen abwarten“, sagte Joseph, „aber wir sind guter Stimmung.“

Währenddessen herrschte im Foyer eine Mischung aus Hoffnung und Nervosität. Der Computer mit der Verbindung zur Homepage des Landeswahlleiters war ständig umlagert. Jede positive Veränderung wurde mit Applaus quittiert. Immer wieder aktualisierten Helfer die Zahlen auf der Leinwand, während die Internetseite des Statistischen Landesamtes zeitweise unter dem großen Besucherandrang zusammenzubrechen drohte.

Zwischen den Auszählungen diskutierten Ortsvereinsvorsitzende und Kommunalpolitiker die Ergebnisse aus ihren Heimatgemeinden. Besonders zufrieden zeigte man sich in Walldürn und Höpfingen, auch in Buchen herrschte Zuversicht. In Hardheim dagegen hatte man sich mehr erhofft. „Ich hätte ein besseres Ergebnis erwartet, zumal Karl-Heinz Joseph im Erftal doch bekannt ist“, sagte Lars Ederer. Zugleich machte er deutlich: „Wir werden uns nicht entmutigen lassen.“

Mit fortschreitendem Abend machte sich unter den Gästen zunehmend Optimismus breit. Das langjährige SPD-Mitglied Georg Trefz zeigte sich früh überzeugt: „Der ist drin, das rieche ich.“ Besonders beeindruckt hatten ihn die Wahlkampfauftritte des Walldürner Bürgermeisters. „Der Joseph hat viel mehr Applaus bekommen“, sagte Trefz mit Blick auf Veranstaltungen in Mosbach.

Seit den frühen Abendstunden war auch Ralf Beyersdorfer in der Nibelungenhalle. Der langjährige SPD-Ortsvereinsvorsitzende von Walldürn gehörte zu den engsten politischen Weggefährten Josephs. Für ihn war der Bürgermeister längst auch ein guter Freund geworden. „Für ihn lohnte es sich zu kämpfen“, sagte Beyersdorfer voller Zuversicht.

Nicht nur Sozialdemokraten verfolgten den Wahlabend. Auch zahlreiche Kommunalpolitiker anderer Parteien waren nach Walldürn gekommen. DCB-Stadtrat Andreas Englert erklärte: „Es kann uns doch nichts Besseres passieren, als unseren Bürgermeister im Landtag zu haben.“ Mitarbeiter der Stadtverwaltung unterstützten ihren Chef ebenfalls vor Ort. Christel Kuhn, Leiterin der Stadtbücherei, bekannte offen: „Joseph natürlich! Das gehört sich doch so.“

Im Verlauf des Abends nutzte Karl-Heinz Joseph immer wieder die Gelegenheit, sich bei seinen Unterstützern zu bedanken. Blumen und kleine Präsente gingen an Wahlkampfhelfer, Weggefährten und Organisatoren. Besonders hob er die Arbeit des SPD-Kreisvorsitzenden Jürgen Graner hervor, ebenso die Unterstützung der Regional-SPD und die organisatorische Leistung des Kampagnenteams um Horst Saling. Auch das „Aktionsteam 25 000“, das am Wahltag tausende Blumenflyer verteilt hatte, fand ausdrücklich Erwähnung.

Eine wichtige Grundlage für den späteren Erfolg war das starke Abschneiden in seiner Heimatstadt. In Walldürn erzielte Joseph ein außergewöhnlich gutes Ergebnis und sorgte mit einem deutlichen Stimmenzuwachs für das entscheidende Stimmenpolster.

Trotz der spürbaren Anspannung wirkte der Kandidat den ganzen Abend über bemerkenswert gelassen. Immer wieder wurde er nach neuen Informationen gefragt. Doch die offizielle Bestätigung ließ auf sich warten. „Angerufen wird man da nicht“, sagte Joseph und schüttelte den Kopf.

Kurz vor 22 Uhr war die Gewissheit schließlich da. Auf der Leinwand erschien die entscheidende Meldung: Karl-Heinz Joseph zieht in den Landtag ein. Mit dem viertbesten Ergebnis der SPD-Zweitauszählung in Nordbaden hatte er den Sprung nach Stuttgart geschafft.

Für einen Augenblick herrschte ungläubige Stille. Dann brach in der Nibelungenhalle grenzenloser Jubel aus. Die Genossen sangen begeistert: „Steht auf, wenn ihr Rote seid.“

Karl-Heinz Joseph strahlte über das ganze Gesicht und rief: „Ich bin drin. Ich bin drin.“

Zu den ersten Gratulanten gehörte Ralf Beyersdorfer. Gemeinsam mit SPD-Kreisvorsitzendem Jürgen Graner beglückwünschte der langjährige Walldürner Ortsvereinsvorsitzende seinen Freund und Weggefährten. „Die Ergebnisse unserer Partei im Kreis sind gut gewesen, in Walldürn noch besser – aber Karl-Heinz, du warst spitze.“ Persönlich habe ihn noch nie ein Wahlkampf so berührt wie dieser, bekannte Beyersdorfer und fügte hinzu: „Und jetzt wird gefeiert.“ Die Freude war den beiden deutlich anzusehen. „Wir freuen uns riesig“, sagte Beyersdorfer.

Nun gab es kein Halten mehr. Jubel und tosender Applaus erfüllten die Nibelungenhalle. Immer mehr Gratulanten trafen ein, darunter Ortsvorsteher, Gemeinderäte und politische Weggefährten. Später reihten sich auch Landrat Dr. Achim Brötel und Buchens Bürgermeister Roland Burger in die Schar der Gratulanten ein.

Mitten im Jubel blieb Joseph bescheiden. „Dieser Wahlsieg ist die Leistung des SPD-Kreisverbandes und von meinem ganzen Team“, betonte er. Zugleich versprach er: „Ich werde meine ganze Kraft für das Wohl des Kreises und als Bürgermeister für das Wohl der Stadt einsetzen. Ich werde beide Ämter nicht vernachlässigen. Messen Sie mich daran.“

Auch seine Unterstützer bezog er ausdrücklich in den Erfolg ein: „Mein Erfolg ist auch euer Erfolg.“

Nach zahlreichen Interviews, Gesprächen und Glückwünschen klang ein langer, emotionaler und für viele unvergesslicher Wahlabend schließlich aus. Was mit Unsicherheit und Anspannung begonnen hatte, endete in der Nibelungenhalle mit einem historischen Erfolg für Karl-Heinz Joseph, die SPD im Neckar-Odenwald-Kreis und die Stadt Walldürn.

 

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